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Wissenswertes zu Blitzschutz

Blitzableiter Zeichnung

Technik

Ein Blitzschutzsystem leitet die hohe Energie beim Einschlag ab und bewahrt Bewohner, Tiere und Gebäude vor grossem Schaden.
Wie ein Blitzschutzsystem aufgebaut ist und was passiert, wenn der Blitz einschlägt, erfahren Sie hier.

Unter einer Blitzschutzanlage versteht man Vorkehrungen gegen schädliche Auswirkungen von Blitzeinschlägen auf bauliche Anlagen. Ohne Blitzschutz können direkte Blitzeinschläge Teile von Gebäuden zerstören, wenn zum Beispiel in Baustoffen enthaltenes Wasser, Harz oder ätherische Öle in Holz explosionsartig verdampfen oder durch die Hitzewirkung der elektrischen Entladung Brände entstehen. Der Blitz kann weiter indirekt durch sein starkes elektromagnetisches Feld in elektrischen Leitungen oder metallischen Teilen wie Rohrleitungen innerhalb eines Gebäudes einkoppeln und Zerstörungen anrichten. Eine Blitzschutzanlage kann vor diesen unerwünschten Wirkungen keinen absoluten Schutz bieten, sie kann aber den Schaden und Auswirkungen von Blitzeinschlägen minimieren.

Eine Blitzschutzanlage verringert die Schäden, die ein einschlagender Blitz im zu schützenden Objekt verursacht. Im Falle eines Einschlages bietet die Blitzschutzanlage dem Blitzstrom über den Blitzableiter einen definierten, niederohmigen Strompfad. Die primäre Schutzfunktion besteht darin, den Blitzstrompfad am zu schützenden Objekt vorbeizuführen und abzuleiten.

Schlägt ein Blitz in das Blitzschutzsystem ein, so fliessen kurzzeitig sehr hohe Ströme im Blitzableiter, Spitzenwerte über 100 kA sind zu messen. Diese hohen Impulsströme induzieren innerhalb benachbarter elektrischer Leitungen wie Stromversorgungsnetz, Telefonleitungen oder Antennenleitung des geschützten Objektes Sekundärspannungen und Sekundärströme, welche elektrische Geräte, die an diesen elektrischen Leitungen angeschlossen sind, stören und im Grenzfall auch zerstören können. Dieser Effekt tritt besonders dann auf, wenn sich die elektrischen Leitungen in der Nähe und parallel zu den Blitzableitern befinden.

Der umgangssprachlich bezeichnete Blitzableiter leitet den Blitzstrom von den Fangeinrichtungen zur Erdungsanlage (siehe Bild).

Die Erdungsanlage leitet den Blitzstrom in den Erdboden. Sie beinhaltet idealerweise einen Fundamenterder. Wenn das Fundament vollständig isoliert, ein älteres Gebäude noch nicht mit Fundamenterder ausgestattet wurde oder der Erdwiderstand zu hoch ist, muss der Fundamenterder durch Ringerder, Strahlenerder, Plattenerder, Tiefenerder oder natürliche Erder ersetzt oder ergänzt werden.

Braucht es überhaupt einen Blitzschutz?
Ja – denn ein Blitzschutzsystem leitet das hohe Spannungspotenzial ab und bewahrt so Bewohner, Tiere und Gebäude vor grossem Schaden. Blitze schlagen auch in der Nähe von Türmen, Bäumen und Hochspannungsleitungen ein. Der Blitz sucht sich den geringsten Widerstand und kann dadurch je nach Windrichtung auch in ein Haus einschlagen, wenn daneben ein höheres Objekt steht.
Wie ist ein Blitzschutz aufgebaut?
Umgangssprachlich nennt man sie Blitzableiter, doch in Wahrheit sorgt ein ganzes Blitzschutzsystem für Sicherheit vor dem Blitz. Das äussere Blitzschutzsystem besteht aus einer netzförmigen Fangeinrichtung, Ableitungen und einer Erdung. Die Erdung setzt sich entweder aus einer Ringleitung aus Metalldraht rund 70 Zentimeter unter dem Boden und mindestens 1 Meter vom Gebäude entfernt (Ringerder) zusammen. Sie kann aber auch als Metallband im Gebäudefundament einbetoniert werden (Fundamenterder).
Innerer Blitzschutz - was ist das?
Ein Blitzschutzsystem funktioniert nur dann optimal, wenn es durch ein inneres Blitzschutzsystem ergänzt wird. Das innere Blitzschutzsystem besteht aus zwei Bestandteilen: Zum einen aus dem vom Elektriker sicherzustellenden Potenzialausgleich zwischen elektrisch leitenden Bauteilen wie Wasserleitung, Heizungsrohren und Lüftungskanälen, der Starkstromerdung und der Erdung des Blitzschutzsystems. Zum anderen aus einem Überspannungsschutz für empfindliche Geräte wie Fernseher oder Computer. Gerade Datenträger, die unwiederbringliche Dokumente und Fotos enthalten können, sind sensibel. Der Überspannungsschutz besteht aus einem Grobschutz, Mittelschutz und einem Feinschutz. Dieser wird durch einen Elektroinstallateur installiert. Überspannungen entstehen nicht nur durch direkte Treffer, sondern auch durch Blitzschläge in der Umgebung: Wird zum Beispiel eine bis zu 2000 Meter entfernte Stromleitung getroffen, können elektrische Spannungen bis ins Haus vordringen. Als Folge davon können Elektronikkomponenten zerstört und im Extremfall sogar Brände oder Explosionen ausgelöst werden. Deshalb ist es wichtig, Ableiter einzubauen, die solche Überspannungen auf ein für die Geräte verträgliches Mass reduzieren.
Was passiert wenn der Blitz einschlägt?

Bei einem Blitzeinschlag sprüht wortwörtlich die Energie. An der Einschlagstelle am Haus ist ein Blitz bis zu 30‘000 Grad Celsius heiss. Brennbares Material kann sich dadurch leicht entzünden. Auch feuchtes Material ist gefährlich, weil die vorhandene Feuchtigkeit beim Blitzeinschlag explosionsartig verdampft und das Material auseinandergerissen wird. Die Metalldrähte des Blitzschutzsystems (meistens aus Kupfer) fangen den elektrischen Strom der Blitze auf dem Dach, an Dachaufbauten und Erhöhungen ein. Ablaufrohre, Blechverkleidungen oder eigens installierte Metalldrähte des Blitzschutzsystems leiten ihn über die Fassade zur Erdung. So wird die Energie kontrolliert abgeleitet und richtet keinen Schaden an.

Ist die Installation einer Blitzschutz-Anlage Vorschrift?

Eine generelle Pflicht besteht nicht. Blitzschutzsysteme sind Pflicht aber bei:

  • Räumen mit einer Belegung von mehr als 300 Personen
  • Beherbergung von Personen, z. B. in Spitälern, Heimen, Hotels
  • besonders hohen Gebäuden wie Hochhäusern, Hochkaminen oder Türmen
  • grössere (mehr als 3000 m³) landwirtschaftliche Gebäude sowie gewerbliche Gebäude für die Holz-, Textil- und Kunststoffverarbeitung
  • Industrie- und Gewerbebauten, in den explosive Stoffe verarbeitet oder gelagert werden, z. B. Mühlen, chemische Fabriken, Tankstellen, Munitionslager
  • Behältern für brennbare Flüssigkeiten und Gase oder Lager für flüssige Treib- und Brennstoffe samt den zugehörigen Bauten und Anlagen
  • Gebäude und Anlagen an exponierten topografischen Lagen
Braucht es eine persiodische Kontrolle? Gibt es Unterhaltskosten?

Blitzschutzanlagen müssen dem Stand der Technik entsprechen und jederzeit wirksam sein. Die Anlagen müssen einfach auf allfällige Schäden kontrolliert werden können. Ein Blitzschutzsystem wird nach der Installation durch die Gebäudeversicherung abgenommen. Einzelne Kantone gewähren sogar Zuschüsse; informieren Sie sich bei der Gebäudeversicherung des Kantons, in welchem ihr Gebäude steht; wir helfen Ihnen gerne. Je nach Kanton sind anschliessend periodische Kontrollen vorschrift - oder eben nicht. Wie auch immer: wir empfehlen eine Kontrolle der Blitzschutzanlage alle 10 Jahre.

Ich plane einen Gebäudeanbau. Was muss ich beachten?

Bei Anpassungen oder Erweiterungen von Blitzschutzsystemen muss das bestehende System überprüft und wenn nötig den aktuellen Regeln der Technik angepasst werden.
Ist bei bestehenden Gebäude und Anlagen, für die ein Blitzschutzsystem vorgeschrieben ist, noch kein Blitzschutzsystem vorhanden, ist dieses nachzurüsten, wenn:

  • Änderungen oder Erweiterungen in grösserem Umfang vorgenommen werden oder
  • das Gebäude oder die Anlage einem neuen Zweck zugeführt wird.
Erhalte ich Zuwendungen, wenn ja, von wem?

Oft ja, allerdings ist dies kantonal geregelt. Wir helfen Ihnen gerne.

FAQ
Nr. 7 vom Juli 2022